Aufrufe
vor 2 Monaten

f+h fördern und heben 6/2021

  • Text
  • Epaper
  • Intralogistik
  • Mobile
  • Logistik
  • Materialfluss
  • Levio
  • Produkte
  • Mithilfe
  • Systeme
  • Schulte
  • Unternehmen
f+h fördern und heben 6/2021

PERSPEKTIVEN DIGITALE

PERSPEKTIVEN DIGITALE TRANSFORMATION – EIN NOCH NICHT AUSGESCHÖPFTES POTENZIAL FÜR DIE INTRALOGISTIK Weltweit belaufen sich die geschätzten Kosten, die durch ungeplante Produktionsstillstände verursacht werden, auf bis zu 56 Milliarden Dollar pro Jahr. Vor diesem Hintergrund stehen vor allem die Maschinenbauer vor der Herausforderung, die Verfügbarkeit und den Zustand der Produktionsmaschinen transparent zu machen. In diesem Zusammenhang bekommt die Digitalisierung eine maßgebliche Bedeutung. Autor: Tim-Oliver Ricke, Global Segment Manager Intralogistik, Lenze, Aerzen Viele Betreiber erwarten von der Digitalisierung ihrer Produktionsanlagen einen hohen Nutzen im Bereich der Instandhaltung. „Condition Monitoring“ und „Predictive Maintenance“ hören wir in diesem Zusammenhang häufig. Diese vorausschauenden Methoden ermöglichen den Wechsel von einer zeitbasierten zur zustandsorientierten Instandhaltung. Das bedeutet z. B., dass Komponenten erst dann ausgetauscht werden müssen, wenn es notwendig ist und nicht prophylaktisch, bevor sie ihr Lebensende erreicht haben. Eine zustandsorientierte Instandhaltung soll die Wirtschaftlichkeit einer Anlage erhöhen. Doch dieses Konzept kann nur wirtschaftlich funktionieren, wenn die Digitalisierung eine umfassende Dimension hat. Allerdings lässt sich weiterhin beobachten, dass vor allem den Maschinenbauern nur partielle Digitalisierungs-Lösungen angeboten werden, die angestrebte Gesamtlösung der Digitalisierung bleibt vielfach unklar und wird dem Betreiber überlassen. ANSÄTZE FÜR EINE NUTZBRINGENDE DIGITALE TRANSFORMATION Der Antriebs- und Automatisierungsspezialist Lenze begleitet seine Kunden ganzheitlich beim digitalen Transformationsprozess. Die 48 f+h 2021/06 www.foerdern-und-heben.de

PERSPEKTIVEN Basis bildet ein Phasenmodel, das alle erforderlichen Schritte zur Digitalisierung aufzeigt. Im ersten Schritt geht es darum, Daten zu visualisieren, eine Transparenz über die installierte Basis sowie der Systemleistung konsolidiert zu erhalten und Systemstillstände oder Ausfälle aufzuzeigen. Die Maschine respektive die Gesamtanlage stehen dabei im Fokus, was dieses Konzept von früheren Modellen unterscheidet, bei denen nur einzelne Komponenten oder Maschinenabschnitte beurteilt werden konnten. Die Visualisierung der Systemleistung und Balancierung der Systemauslastung sind dabei besonders interessant. Sie lassen Rückschlüsse auf die Prozesse und Abläufe der vernetzten Anlagenabschnitte zu, denn was bringt eine Leistungssteigerung einer einzelnen Komponente wie einem Regalbediengerät, wenn die Waren nicht weiterverarbeitet respektive -transportiert werden können, weil z. B. noch kein Lkw an der Verladerampe steht? Zudem lassen sich durch eine Fernwartung Inbetriebnahme- und Servicekosten reduzieren und Personal effizienter einsetzen. Im nächsten Schritt unterstützt Lenze die Betreiber mit digitalen Diensten und Cloud-Services rund um die Maschine. Mit der Ausweisung der OEE (Overall-Equipment-Efficiency oder Gesamtanlageneffektivität) lassen sich z.B. die Verfügbarkeit, der Durchsatz und die Produktionsausbeute der Maschine oder Anlage optimieren. Dabei lassen sich die Daten Maschinen-, Anlagen- und vor allem auch werksübergreifend vergleichen, was Aufschluss über die „echte“ Performance bietet. Auf Basis dieser Daten und mit dem vorhandenen Domänenwissen werden erste Modelle hergeleitet, die über Condition Monitoring Ausfallzeiten reduzieren. Basierend auf den verbauten Komponenten lassen sie zudem eine genaue Aussage über den allgemeinen Zustand der Maschine zu. Tritt in einer Anlage gehäuft ein Fehler auf, der in einer anderen identischen vernetzten Anlage nicht vorkommt, lässt sich nach der Analyse die Fehlerursache beheben. Klar ist, dass für diesen Schritt die Vernetzung der Anlage, eine hohe Transparenz und ein ausreichend hoher Grad an Domänenwissen essenziell sind. Ist all dies erreicht, geht es im letzten Schritt an die Generierung vorausschauender Modelle. Predictive Analytics zeigen u. a. Auffälligkeiten, die zu einem möglichen Anlagenstillstand führen würden, selbstständig auf. Wie so häufig sind die Automobilisten auch bei diesen Innovationen ganz vorn dabei. Erste Projekte für Predictive Maintenance mit Lenze sind in Europa und in Asien bereits in der Umsetzung. ZUSTANDSBESCHREIBUNG ODER VORHERSAGE? Geht es um Digitalisierung in der Intralogistik, denken viele direkt an „Condition Monitoring“ und „Predictive Maintenance“. Dabei werden beide Bezeichnungen häufig synonym verwendet, obwohl es sich um zwei unterschiedliche Konzepte handelt. Predictive Maintenance ist die Vorhersage von Ereignissen oder der Wahrscheinlichkeit von Ereignissen, z. B. wann die Wahrscheinlichkeit, dass ein Getriebedefekt in den nächsten 50 Betriebsstunden auftritt, auf mehr als 90 Prozent steigt. Mit solch einer Prognose ließe sich der Austausch des Getriebes rechtzeitig planen, bevor die Anlage tatsächlich ausfällt. Condition Monitoring dagegen ist eine Vorstufe, die aus der Interpretation vorhandener Daten eine tiefergehende Beschreibung des aktuellen Zustands ermöglicht. Dazu bedarf es eines tiefen Verständnisses von Maschinen und Prozessen, um aus „nackten“ Daten aussagekräftige Informationen zu generieren. Analysen auf Basis von Machine Learning (ML) und Künstlicher Intelligenz (KI) können dazu beitragen, Anomalien schneller aufzuspüren. Lenze setzt sich intensiv mit beiden Themen auseinander und zeigte bereits einen modelbasierten und einen datenbasierten Ansatz auf. Der modelbasierte Ansatz vergleicht die erfassten Daten mit einem mathematisch angenommenen Modell der Anwendung, und interpretiert die erkannten Abweichungen zum zuvor definierten Modell. Der datenbasierte Ansatz hingegen nutzt ein neuronales Netzwerk, oder umgangssprachlich Ansätze von KI, und lernt selbstständig das Maschinenverhalten. Interpretiert werden dann die Platzsparende Seil-Bodenführung zum kleinen Preis Damit auch die Kosten in der Spur bleiben Keine störende Führungsrinne Boden bleibt frei Kosten senken im Einkauf und Montage Problemlose Reinigung der Gasse Sehr einfach und extrem schnell montiert 88 % Montagezeit sparen Komplette Energie- & Daten- Zuführung /autoglide5 Tel. 02203-9649-800 info@igus.de motion plastics ® e-kette ® bleibt durch das Führungsseil auf dem Hallenboden in der Spur D-1279m88%-EKS Seil 185x90_CC.indd 1 30.03.21 12:19 www.foerdern-und-heben.de f+h 2021/06 49

AUSGABE