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f+h fördern und heben 7-8/2022

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f+h fördern und heben 7-8/2022

F+H NACHGEFRAGT Wie

F+H NACHGEFRAGT Wie haben die Händler auf Ihre Aktivitäten im Gebrauchtgerätesegment reagiert? Rolf Eiten: Wir hatten zunächst gedacht, dass wir aufgearbeitete Geräte an Endkunden liefern würden – doch weit gefehlt. Wir haben heute die Situation: Wann immer wir unseren Händlern aufgearbeitete Gebrauchtfahrzeuge anbieten, greift der Vertriebspartner sofort zu. Das liegt daran, dass wir als Hersteller in der Lage sind, ein Fahrzeug wieder in einen extrem guten Zustand zu versetzen. Des Weiteren verfügen wir über die personellen Kapazitäten, haben am Standort Duisburg ein großes Ersatzteillager und die zuvor bereits genannte Lackieranlage. Kurzum: Wir haben alles, um ein Gebrauchtgerät wieder in einen Top-Zustand zu versetzen. Dies ist auch bei den Händlern angekommen. Nachhaltigkeit in der Intralogistik ist auch eine Frage des zum Einsatz kommenden Energiesystems. Wie unterstützen Sie den Flurförderzeugbetreiber bei der Auswahl des für die Bewältigung seiner Aufgabenstellung richtigen Energiesystems? Rolf Eiten: Gute Frage, Herr Bauer. Manchmal ist das einfach, manchmal ist es nicht so einfach. Weil viele Kunden zu wissen glauben, dass sie selbst genau wissen, was sie brauchen. Es gibt zunehmend aber auch Kunden, die offen für eine Beratung sind und wo man jemanden, der heute einen Treibgasstapler nutzt, auch davon überzeugen kann, dass für dieses Einsatzprofil ein Elektrofahrzeug die bessere Wahl wäre. Manch ein Betreiber äußert aber auch Bedenken, auf Elektro umzusteigen. Zu hören sind dann Aussagen wie: „Ich befürchte, immer, wenn ich den Stapler brauche, ist die Batterie leer.“ Andere Kunden machen sich Sorgen um ihre Investition. Nehmen wir beispielhaft einen 48-Volt-Elektrostapler. Etwa ein Drittel der Investition entfällt CLARK ERWEITERT S-SERIES UM MODELLE MIT HÖHEREN TRAGFÄHIGKEITEN Informationen zu den im Interview angesprochenen verbrennungsmotorischen Gegengewichtsstaplern der S-Series haben wir für Sie auf unserer Website bereitgestellt. Interessierte Leser geben einfach den u. s. Link in Ihren Browser ein oder scannen mit Ihrem Smartphone den QR-Code ein. Viel Spaß bei der Lektüre! bit.ly/fuh-s-series auf die herkömmliche Traktionsbatterie. Sollte der Staplerfahrer es mit der Batteriepflege nicht so genau nehmen, ist ein Defekt vorprogrammiert. Diesbezüglich müssen wir und unsere Händler Aufklärungsarbeit leisten. Aber der Markt gibt uns die Richtung vor. In Europa liegt der Anteil an elektrisch betriebenen Flurförderzeugen bei mehr als zwei Drittel des Gesamtmarkts. Das heißt, wir haben einen eindeutigen Trend in Richtung Elektro. Wie muss ich mir diese Aufklärungsarbeit in den vergangenen 2,5 Jahren vorstellen? Rolf Eiten: Vor der Pandemie haben wir jede Woche in unserem Trainingszentrum für Mitarbeiter der Händler Schulungen durchgeführt. Diese Schulungen finden nun digital statt. Ich war zunächst skeptisch, ob die Wissensvermittlung so gelingen kann. Aber das Feedback der Verkäufer und Techniker war und ist positiv. Daher werden wir auch in Zukunft an diesem Vorgehen festhalten. Die Digitalisierung hat aber nicht nur im Bereich Aus- und Weiterbildung positive Effekte hervorgebracht. Lassen Sie mich das an zwei Kennzahlen erläutern. Die Clark-Welt hat im Jahr 2021, gegenüber dem Businessplan, 53 Prozent mehr Aufträge generiert. Im ersten Quartal des laufenden Jahres können wir 34 Prozent mehr Aufträge verbuchen als im Businessplan vorgegeben. Solche Zahlen lassen sich nur generieren, weil wir in der Organisation mithilfe der Digitalisierung noch effektiver geworden sind. Lassen Sie uns noch einmal zurückkommen auf das Thema Elektro-Flurförderzeuge in der Intralogistik. Sie erwähnten, dass Elektrogeräte zumindest in Europa nicht mehr aufzuhalten sind. Warum erweitern Sie dann die verbrennungsmotorische Baureihe, die S-Series, um Stapler mit Tragfähigkeiten von vier bis 5,5 Tonnen? Rolf Eiten: Sie müssen dies vor dem Hintergrund der Regionen sehen, in denen wir agieren. Es ist immer noch ein großer Unterschied, ob wir über einen Flurförderzeugeinsatz in Europa oder zum Beispiel Afrika oder Indien sprechen. Auch diese Märkte wollen wir bedienen. Aber ich möchte an dieser Stelle noch einen Punkt erwähnen, der für Clark, wichtig ist. In Kalifornien wurde ein Gesetz erlassen, wonach ab dem Jahr 2026 Treibgasstapler in Kalifornien verboten sind. Inwieweit dies auf ganz Nordamerika ausstrahlen wird, lässt sich momentan noch nicht abschätzen. Generell ist aber festzuhalten, dass Treibgasstapler in Nordamerika dominieren. Sollten aber weitere Bundesstaaten dem Vorbild Kaliforniens folgen, wird dies den Trend der Elektrifizierung vorantreiben. Darauf müssen wir uns vorbereiten. Aus diesem Grund diskutieren wir zurzeit mit unseren Entwicklungsabteilungen – wir arbeiten diesbezüglich weltweit zusammen – welche Antwort wir auf diesen potenziellen Trend geben können. So viel sei an dieser Stelle verraten: Wir arbeiten mit Hochdruck an der Entwicklung eines Elektro-Yard-Trucks. Aber bis es so weit ist, ist der Verbrenner immer noch wichtig für uns. Vielen Dank für das Gespräch. Das Interview mit Rolf Eiten, President & CEO Clark Europe, führte Winfried Bauer, Chefredakteur f+h Fotos: Clark Europe www.clarkmheu.com 8 f+h 2022/07-08 www.foerdern-und-heben.de

PRODUKTE UND SYSTEME INTERDISZIPLINÄRE ZUSAMMENARBEIT FÜHRT ZUM ZIEL NEUER SCHWERLAST-TRANSPORTER ERFÜLLT BREIT GEFÄCHERTES ANFORDERUNGSPROFIL Der irische Flurförderzeughersteller Combilift hat in Zusammenarbeit mit Unternehmen aus der Betonindustrie den Wechselbrücken-Transporter Combi-SBT entwickelt. Aufgrund der Gerätemerkmale lässt sich das Flurförderzeug aber auch in anderen Branchen einsetzen. Mithilfe des Wechselbrücken-Transporters Combi-SBT lassen sich neben Betonfertigteilen z. B. auch Standard-Container-Wechselbrücken auf dem Firmengelände des jeweiligen Betreibers umschlagen. Das Flurförderzeug hat eine Hubkapazität von 50.000 kg und ist wahlweise mit Diesel- oder Flüssiggasantrieb ausgestattet. Für geringeren Bodendruck sorgt eine 3-Rad-Konstruktion mit sechs Rädern. Die Hinterräder sind hydrostatisch angetrieben und werden von vorne gelenkt, was der Manövrierfähigkeit zugutekommt. Ein Hebebühnenpaar auf dem Maschinenbett stützt die Last während des Transports. Die Steuerung dieser Plattformen nimmt der Fahrer von seinem Arbeitsplatz in der Kabine aus vor. Damit das Flurförderzeug Transporteinheiten aufnehmen kann, die nicht auf ebenem Untergrund stehen, lassen sich die Plattformen auch unabhängig voneinander ansteuern. Breiten Raum bei der Entwicklung des Combi-SBT haben die Aspekte Sicherheit und Rundumsicht eingenommen. Die Kabine ist in einem Winkel von 90° zur Maschine und außermittig zur Ladung platziert. Somit hat der Fahrer eine 360°-Sicht auf alle Bereiche der Maschine. Mithilfe zusätzlicher Spiegel und einer Rückfahrkamera gibt es keine toten Winkel. ZWEI ANSTATT 15 MINUTEN PRO TRANSPORTZYKLUS Die Entwicklung des Combi-SBT fand, wie bei vielen neuen Lösungen von Combilift, im engen Austausch mit den Betreibern statt. In diesem Fall wandte sich ein Hersteller von Betonfertigteilen mit der Frage an Combilift, wie sich die Betonfertigteile von unten anheben und auf engem Raum umschlagen lassen. Das Ergebnis ist der Combi-SBT. Die Zykluszeiten zwischen den Gießvorgängen wurden verkürzt und der Arbeitsablauf auf 50 bis 70 Chargen pro Tag mit jeweils 24 Tonnen erhöht. In der Vergangenheit benötigten zwei Mitarbeiter mithilfe einer Kombination aus Lkw und Anhänger etwa 15 Minuten pro Transportzyklus. Mit dem Combi-SBT erledigt ein Mitarbeiter diese Aufgabe heute in nur noch zwei Minuten. Zu diesem Ergebnis trägt z. B. bei, dass das Flurförderzeug rückwärts unter die Wechselbrücke gefahren werden und die Betonfertigteile schnell vom Boden in die Fahrposition heben kann. Die 3-Rad-Konstruktion schafft die Voraussetzungen für den problemlosen Einsatz in Bereichen mit verdichtetem Schotter, in denen eine perfekt ebene Oberfläche nicht vorliegt. Fotos: Combilift www.combilift.com www.foerdern-und-heben.de f+h 2022/07-08 9

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