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f+h fördern und heben 9/2021

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f+h fördern und heben 9/2021

PERSPEKTIVEN

PERSPEKTIVEN VOLUMENOPTIMIERTER FLASCHENKASTEN HILFT TRANSPORTKOSTEN UND LAGERPLATZ EINZUSPAREN Beim Stapeln von aktuell in der Praxis eingesetzten Flaschen- respektive Getränkekästen wird das zur Verfügung stehende Transport- und Lagervolumen nicht optimal ausgenutzt. Dies ist im leeren und im mit Flaschen befüllten Zustand der Kästen der Fall. Vor allem im Zusammenhang mit dem Transport von Leergut innerhalb von Mehrwegprozessen in der Getränkelogistik gehen hiermit unter anderem erhöhte Prozesskosten sowie negative Umweltauswirkungen einher. Die Entwicklung eines volumenoptimierten Flaschenkastens wirkt diesen Problemen entgegen. Produktinnovationen im Bereich mehrwegfähiger Kunststoff-Getränkekästen bezogen sich in den vergangenen Jahren fast ausschließlich auf Faktoren wie das Design oder die Haptik der Kästen [1]. Eine Volumenoptimierung im Zusammenhang mit Transport- und Lagerprozessen stand hingegen nicht im Mittelpunkt. Seltene Ausnahmen bildeten hierbei Lösungen wie der im Jahr 2016 mit dem pro-K award ausgezeichnete „Kubi-Kasten“ [2] oder die für die Effizienzsteigerung von Mehrwegprozessen in der Getränkelogistik entwickelten „Trays“ zur Leergut-Rückführung [3]. Der elementare Vorteil einer verbesserten Packdichte ergibt sich bei diesen Produkten jedoch ausschließlich im leeren und nicht im mit Flaschen befüllten Zustand der Kästen bzw. „Trays“. Um diesen Problemen entgegenzuwirken und damit die Prozess- und Ressourceneffizienz auf Anwenderseite zu steigern sowie die im Rahmen von Getränketransporten entstehenden Treibhausgasemissionen zu reduzieren, hat das Büro für Logistikforschung mit Sitz in Dortmund den patentierten volumenreduzierbaren Flaschenkasten konzipiert. Dieser wird aktuell in gemeinschaftlicher Zusammenarbeit mit der Bekuplast GmbH, Kunststoffspritzgussspezialist mit Hauptsitz in Ringe, zur Marktreife gebracht. Mithilfe einer neuen Stapelanordnung und Konstruktionsweise ist es bei diesem Flaschenkastenkonzept im Vergleich zu bestehenden Flaschenkästen möglich, mehr Flaschen bzw. Kästen pro Europalette zu transportieren und zu lagern. OPTIMIERTE PACKDICHTE AUCH BEI BEFÜLLTEN GETRÄNKEKÄSTEN Bei dem neuen, volumenreduzierbaren Flaschenkasten wird eine optimierte Packdichte nun erstmalig auch im mit Flaschen befüllten Zustand von Getränkekästen ermöglicht. Dies wird u. a. mithilfe einer versetzten Anordnung der Flaschenfächer erreicht, die es erlaubt, zwei mit Flaschen befüllte Kästen gleicher Bauart volumenoptimiert ineinander zu stapeln. Das heißt, ein oberer Kasten kann im Bereich der Flaschenhälse eines darunter befindlichen Kastens „versenkt“ bzw. „genestet“ werden. Wichtig zu erwähnen: Der obere Kasten steht dabei nicht auf den Flaschen des unteren Kastens, sondern auf dessen Gefache und – wenn gewünscht – zusätzlich auf dessen Seitenwänden auf. Funktionsprinzip des volumenoptimierten Flaschenkastens Vollständige Kompatibilität zu vorhandenen Flaschenkästen Verbesserte Packdichte gegenüber bestehenden Flaschenkästen Versetzte Anordnung der Flaschenfächer 10 f+h 2021/09 www.foerdern-und-heben.de

Das grundsätzliche Funktionsprinzip des patentierten Flaschenkastens wird in den Bildern jeweils am Beispiel eines Getränkekastens für standardisierte 0,33-Liter- Longneck-Flaschen verdeutlicht. Die erreichbare „Nesttiefe“ beträgt hier im befüllten Zustand 90 mm. Im Leerzustand lässt sich durch eine vorherige Drehung eines Kastens um 180° bzw. mithilfe des in der Praxis erprobten Prinzips der Drehstapelung eine „Nesttiefe“ von 120 mm realisieren. Übliche Getränkekästen zur Aufnahme von 0,33-Liter-Longneck-Flaschen verfügen i. d. R. über maximale Außenabmessungen von 400 × 300 × 270 mm (Länge × Breite × Höhe). Dabei werden auf einer Europalette fünf Schichten (Stapelhöhe inklusive Palette ca. 1,5 m) à acht Kästen mit je 24 Flaschen pro Kasten transportiert und gelagert. Hieraus ergibt sich eine Anzahl von 40 Kästen pro Europalette mit 960 Flaschen. Zur Realisierung der angestrebten Volumenoptimierung muss im Beispielfall die Flaschenanzahl pro Kasten zwar von 24 auf 20 Flaschen reduziert werden, allerdings lässt sich durch die „Nesttiefe“ von 90 mm die Anzahl der Stapelschichten pro Palette von den bislang fünf auf nun sieben erhöhen. Damit wird die Packdichte je Europalette gegenüber vorhandenen Flaschenkästen grundlegend verbessert. In Zahlen bedeutet dies: Es lassen sich 56 Kästen mit 1 120 Flaschen pro Europalette transportieren und lagern. Dies entspricht einer Verbesserung von 40 Prozent in Bezug auf die Kastenanzahl und ca. 17 Prozent im Hinblick auf die Flaschenanzahl. Noch höher ist das Optimierungspotenzial im Leerzustand der Kästen, da sich durch die „Nesttiefe“ von 120 mm hier 64 Kästen pro Palette stapeln lassen, was einem Zuwachs von 60 Prozent entspricht. Hierbei beträgt die Stapelhöhe inklusive Palette weiterhin jeweils rd. 1,5 m und die genannten maximalen Außenabmessungen bestehender Kästen werden ebenfalls eingehalten. Somit wird eine vollständige Kompatibilität des neuen, volumenoptimierten Flaschenkastens zu vorhandenen Kästen mit einem Grundmaß von 400 × 300 mm sichergestellt. ÜBERTRAGUNG AUF ANDERE GEBINDEGRÖSSEN UND KASTENFORMATE GEGEBEN Das dargelegte neue Flaschenkastenkonzept lässt sich auf eine Vielzahl weiterer Flaschengrößen, Getränkearten etc. oder auch auf weitere Kastenformate übertragen. So ist z. B. auch ein Kasten mit einem Grundmaß von 600 × 400 mm denkbar. Dieser könnte als Leergut-Ersatzgebinde an der Schnittstelle zwischen dem (Getränke-)Einzelhandel und dem Getränkefachgroßhandel zum Einsatz kommen und hier die Effizienz und Qualität bei der Handhabung von Einzelflaschenüberhängen steigern. Im Vergleich zu den an dieser Prozessschnittstelle in der logistischen Praxis häufig verwendeten „Trays“ zur Leergut-Rückführung weist der „nestbare“ Flaschenkasten – zusätzlich zur Volumenoptimierung bei Leerguttransporten – den Vorteil auf, dass ein oberer Kasten nicht auf den Flaschen des unteren Kastens aufsteht. Dadurch verbessert sich vor allem die Stabilität beim Stapeln. Aufgrund der durch den volumenreduzierbaren Flaschenkasten möglich werdenden effizienteren Nutzung des im Rahmen der Getränkelogistik verfügbaren Transport- und Lagervolumens ergeben sich entlang der kompletten Logistikkette primär die folgenden betriebs- und volkswirtschaftlichen Nutzenpotenziale: Transportkosten- und Lagerplatzeinsparung, Reduzierung von CO 2 - und Feinstaubemissionen, Einsparung natürlicher Ressourcen, verbesserte/vereinfachte Ladungssicherung sowie Entlastung der Verkehrsinfrastruktur. WIR MACHEN IHRE MASCHINE SICHER Sicherheitslösungen für die Intralogistik ■ Sicherheitskomponenten und -systeme für Lagerhaltung und Materialfluss ■ Breites Produktangebot für Flurförderzeuge ■ Safety-Lösungen für Predictive Maintenance und Industrie 4.0 ■ Umfassendes Beratungs- und Dienstleistungsprogramm www.schmersal.com Literaturhinweise und Quellenangaben: [1] De Pooter, T.: Ein Hightech Marketing-Tool – Wiederverwendbare Getränkekästen. In: Getränkeindustrie, Heft 6/2018, S. 26-27 [2] pro-K Industrieverband Halbzeuge und Konsumprodukte aus Kunststoff e. V. (2016): Kubi. URL: https://pro-k-award.de/kubi/, Abruf: 7. Mai 2021 [3] Niebur, T.: Getränke-Mehrweg – Kostentreiber Individualität. In: Standards, Heft 3/2017, S. 18-19 Autor: Dr.-Ing. Tim Siebels, Geschäftsführer, Büro für Logistikforschung, Dortmund Fotos: Bekuplast ts@logistik-innovationen.de | www.bekuplast.com

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