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f+h fördern und heben 9/2021

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f+h fördern und heben 9/2021

FORSCHUNG UND

FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG ENTWICKLUNG EINES ENTSCHEIDUNGSTOOLS ZUR AUSWAHL VON LOGISTIKPLATTFORMEN Digitale Plattformen gewinnen in der Logistikbranche zunehmend an Bedeutung. Folglich sind Logistikdienstleister der kritischen Entscheidungssituation ausgesetzt, wie mit digitalen Plattformen interagiert werden soll. Im Rahmen des Forschungsprojekts „Fit4Platform“ wurde daher ein Entscheidungsprozess erarbeitet, der kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bei der Entscheidung zu Beitritt oder Gründung von digitalen Plattformen sowie der anschließenden Umsetzung der Entscheidung unterstützen soll. Quelle: Autoren Ob Amazon oder Facebook, digitale Plattformen haben B2C- und C2C-Märkte fundamental verändert. Anstatt selbst zu produzieren oder eigenständige Dienstleistungen anzubieten, liegt der Schwerpunkt der Geschäftsmodelle digitaler Plattformen auf der Koordination von Angebot und Nachfrage, der Vernetzung von Teilnehmern sowie dem Sammeln und Analysieren umfangreicher Nutzungsdaten. Damit sind Plattformen gleichzeitig Chance und Risiko für bestehende Märkte und traditionelle Geschäftsmodelle. Auch im B2B-Geschäft gewinnen digitale Plattformen kontinuierlich an Bedeutung und haben bereits heute signifikanten Einfluss auf die Logistikbranche. Entsprechend stehen viele Logistikdienstleister vor der Entscheidung, wie mit digitalen Plattformen interagiert werden soll, um die Wettbewerbsfähigkeit des eigenen Unternehmens langfristig zu sichern. So existieren zahlreiche verschiedene Plattformtypen mit variierenden Angebotsprofilen und der Beitritt einer digitalen Plattform oder sogar eine Gründung mit Partner- und Kundennetzwerk sind für Unternehmen mit weitreichenden Konsequenzen und erheblichem Aufwand verbunden. Im Rahmen des Forschungsprojekts „Fit4Platform“, gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, wurde in Zusammenarbeit des FIR an der RWTH Aachen und des International Performance Research Institute (IPRI) ein browserbasiertes Tool entwickelt, das diesen Entscheidungsprozess sowie die anschließende Umsetzung der Entscheidung unterstützt. Typologisierung Plattformen nach Wertverspechen Erweiterte Frachtenbörsen Visibility-Plattformen Warehousing-Plattformen Handel von Ladungen und Transportkapazitäten Matching zwischen Kunden und Anbietern Datenbasierte Dienstleistungen Echtzeittracking, ETA- Berechnung Supply-Chain-Transparenz Prozessanalysen STRUKTUR DES ENTSCHEIDUNGSPROZESSES Von den ersten Schritten des Entscheidungsprozesses bis zum finalen Entschluss und der anschließenden Umsetzung nehmen Detailgrad und Aufwand der Informationssuche und -verarbeitung kontinuierlich zu. So ist es nicht zielführend, sich mit den Details einer Plattform wie deren Interface oder Schnittstellen auseinanderzusetzen, wenn noch nicht geklärt ist, ob das Angebot der Plattform überhaupt der strategischen Ausrichtung des Unternehmens entspricht. Wie Bild 01 zeigt, setzen der Entscheidungsprozess und das browserbasierte Tool demgemäß an der fundamentalen Fragestellung an, ob eine Gründung oder der Beitritt einer Platt- Handel von Lagerkapazitäten Inventory-/Delivery-Tracking und - Management Fulfillment-Angebot und -Nachfrage form vielversprechender ist. Hierzu sind zunächst Erwartungen und die Ausrichtung des Unternehmens mit den Potenzialen und Herausforderungen einer Gründung oder eines Beitritts zu vergleichen (Schritt 1 in Bild 01). Hierbei sind die Kostenreduktions- und Wachstumsstrategie des Unternehmens von zentraler Relevanz, wobei verfügbare Personal- und Finanzressourcen in die Entscheidung einbezogen werden sollten. Wie in Bild 02 (s. S. 16) ausschnittweise gezeigt, bietet das Tool hierzu z. B. die Möglichkeit, die Anforderungen des Unternehmens potenziellen Mehrwerten und Herausforderungen gegenüberzustellen. 12 f+h 2021/09 www.foerdern-und-heben.de

FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG 01 Struktur des Entscheidungsprozesses und des browserbasierten Tools Schritt 1: Gründung vs. Beitritt – Evaluation der eigenen Zielsetzung und Strategie Kommt der Beitritt oder die Gründung für das eigene Unternehmen allgemein in Frage Schritt 2a: Entscheidung zu Gründung verifizieren Chancen und Risiken einer Gründung Schritt 2b: Auswahl Plattformtyp Abgleich mit typenspezifischen Mehrwerten Schritt 3b: Typenspezifischer strategischer Fit Detaillierter Abgleich wichtiger Dimensionen Schritt 4b: Bewertung und Nutzenanalyse Anwenderspezifische Nutzenanalyse Schritt 3a: Umsetzungsunterstützung Gründung Marktcharakteristika und Skalierungsstrategien Schritt 5b: Umsetzungsunterstützung Beitritts-Framework und Fallstudien Gründung (linker Ast): Erscheint die Gründung vielversprechender, ist diese im linken Ast des Entscheidungsbaums detaillierter zu betrachten. Hier treten die besonderen Charakteristika von Plattformen und damit verbundene Chancen und Risiken in den Vordergrund (Schritt 2a). So basiert z. B. bei Plattformen die Wertschöpfung primär darauf, Interaktionen zwischen Plattformteilnehmern über die Plattform zu ermöglichen und zu koordinieren. Etablierte Plattformen verfügen über umfangreiche Netzwerke aus Bestandskunden und über die notwendige Infrastruktur, historische Daten und Erfahrungswerte zur effektiven Koordination der Plattformteilnehmer. Diese Markteintrittsbarrieren lassen sich von neuen Plattformanbietern häufig nur durch signifikante Investitionen oder geschickte Marktpositionierung überwinden. Soll eine Gründung weiterverfolgt werden, bietet das Tool Inhalte zur Unterstützung (Schritt 3a). Wird stattdessen der vorläufige Entschluss zum Beitritt einer Plattform geschlossen, folgt die Betrachtung der Inhalte des rechten Astes des Entscheidungsbaums in Bild 01. Beitritt (rechter Ast): Zunächst wird anhand des greifbaren, zentralen Mehrwertversprechens ein vorläufiger Entschluss für einen oder mehrere der Plattformtypen getroffen (Schritt 2b). Plattformen der Logistikbranche lassen sich entlang ihrer Wertversprechen gemäß der nebenstehenden Tabelle in drei Kategorien einteilen: erweiterte Frachtenbörsen, Visibility-Plattformen und Warehousing-Plattformen. Erweiterte Frachtenbörsen können als digitale Marktplätze verstanden werden, auf denen Ganz- und Teilladungen sowie Transportkapazitäten zwischen Verladern und Logistikdienstleistern gehandelt werden. Häufig bieten diese Plattformen zusätzliche Leistungen an; das zentrale Wertversprechen basiert jedoch auf der Vernetzung zwischen Anbietern von Frachtgut und Anbietern von Laderaum. Unter Visibility-Plattformen werden Plattformen gefasst, deren wichtigstes Angebot auf datenbasierte Dienste Wir sorgen für ein Höchstmaß an Qualität und Stabilität mit unserem WMS www.psilogistics.com/wms Software for Logistics Industry Leaders

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